Transalp Schlussbericht
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Fr.17. Juli 09
morgens um 08.30 Uhr wurde Robi von Steff und Gabi abgeholt und wir fuhren gemeinsam Richtung Lindau um unser Wohnmobil mit dem Team Biker Malters in Empfang zu nehmen. Dies verlief soweit reibungslos und unser Betreuer und Masseur Thomi Hess fuhr das Gefährt sicher bis nach Mittenwald/D im Karwendelgebiet. Bei der Ankunft war das Wetter noch akzeptabel und wir waren zuversichtlich morgen um 10.00 Uhr zur ersten Etappe starten zu können. Bei der Akkreditierung in Mittenwald nahmen wir unsere Startnummern 109 A und B in Empfang und einiges an Material mehr! Unser Campingplatz war nicht gerade das gelbe vom Ei aber für den ersten Tag waren wir zufrieden. Am Abend besuchten wir die obligate Pastaparty. Anschliessend schlüpften wir Müde und voller Spannung was uns erwarten würde in unsere Schlafsäcke.
Sa. 18. Juli 09
In der Nacht hatte es angefangen mächtig zu regnen und die Temperaturen sanken massiv. Das Thermometer zeigte keine 10 Grad. Der Regen prasselte unaufhörlich auf unser Wohnmobildach und die Auswahl an Regenkleidung und Wärmeisolierung war in unserem Gepäck doch sehr begrenzt. Dies hielt uns aber nicht davon ab unsere Startvorbereitungen zu treffen. Steff und Robi mussten noch zum Sigmastand, da wir uns als Testfahrer für den neuen Tacho Rox 9.0 gemeldet haben. Hier erfuhren wir um 09.00 Uhr aus erster Quelle dass die erste Etappe abgesagt wurde, weil auf dem höchsten Punkt ca. 10 cm Schnee lag. Zuerst glaubten wir unseren Ohren nicht, dann waren wir aber nicht ganz unglücklich darüber und hatten Verständnis denn was wir am Start sahen war Wahnsinn. Frauen und Männer mit kurzen Hosen und nur leichter Oberbekleidung, sie wären sicherlich auf dieser Etappe nahe an die Grenze der Überlebensfähigkeit eines Menschen gekommen. Bei frostigen Temperaturen an den höchsten Punkten der Strecke und geschlossener Schneedecke wären sicherlich viele nur knapp der Unterkühlung entkommen. Einige der Teilnehmer standen bereits am Start bibbernd auf dem Bahnhofsplatz. Als die Mitteilung offiziell verkündet wurde, fuhr der ganze Tross Richtung Reith im Alpbachtal, dem zweiten Etappenort. Bereits anfangs Dorf erwartete uns ein Chaos in Sachen Campingorganisation. Es war geplant auf einer Wiese zu campen, da diese durchnässt war wies man uns auf ein Trottoir welches abfällig war. Dies akzeptierten wir nicht, suchten uns einen eigenen Parkplatz und arrangierten uns dabei mit einem Nachbar, damit wir Strom für unseren Camper hatten. Wir verbrachten den Tag mit Vorbereitungen und Pastaessen, und es hörte und hörte nicht auf zu regnen. Am Abend schlüpften wir ein wenig nervös ins Bett im Ungewissen was morgen auf uns zukommen würde.
So.19. Juli 09
Da die Startzeit auf 11.00 Uhr verschoben wurde und die Organisation die Strecke verkürzte, blieb uns genügend Zeit für Vorbereitungen. Inzwischen hörte es auch auf zu regnen und die ersten blauen Himmelsabschnitte kamen zum Vorschein.Wir fuhren uns noch warm und stellten uns etwa in der Mitte des grossen Starterfeldes ein und warteten gespannt auf den Startschuss. Pünktlich in der letzten Minute vor dem Start ertönte Lautstark aus den Boxen der Song highway to hell von AC/DC der uns die ganze Woche begleitete. Der Start war noch viel hektischer als wir erwartet hätten, und unser Puls war sicher 30 min lang am Anschlag. Beim zweiten grossen Aufstieg zog sich dann das Feld in die Länge und wir fanden unseren Rhythmus besser. Wir merkten schnell dass nur 1 Bidon im Halter zuwenig war, da die Verpflegungsstände nicht gerade grosszügig angelegt wurden, beschlossen wir noch während der Fahrt in Zukunft ein zweites gefülltes Reservebidon in die Trikottasche zu stecken. Nach 3 Std und 21 Min erreichten wir das Ziel und radelten gemütlich 36 km auf dem Radweg nach Mayrhofen an den offiziellen Zielort der 2. Etappe. Hier erwartete uns bereits Thomi mit einer grossen Portion Spagetti und einer wohltuenden Massage. Anschliessend hiess es das Bike wieder zu retablieren. Dieses Zeremoniell hielten wir die ganze Woche aufrecht, dies hat garantiert einen grossen Teil dazu beigetragen, unsere guten und konstanten Leistung eine Woche lang aufrecht zu erhalten. Am Abend verpflegten wir uns in einem guten Restaurant und verzichteten auf die Pastaparty. Der Campingplatz war in Ordnung und wir hatten das erste und einzige Male Zugriff auf ein Wireless- Netz, welches wir uns ein wenig leichter vorgestellt hätten.
Mo.20. Juli 09
Punkt 09.00 Uhr der Startschuss und wir konnten dank unserem Rang im Block B einstehen, was ein wenig mehr Ruhe hineinbrachte. Der lange Aufstieg aufs Pfitschersjoch auf 2240 m fuhren wir in unserem Tempo. Es folgte eine ultralange Abfahrt von sage und schreibe 64 km. Gespickt mit Trials aber auch Asphaltabfahrten wo wir unsere Bike’s bis über 80 km/h beschleunigen konnten. Es bildeten sich immer wieder Fahrgemeinschaften und so konnten wir vom Windschatten profitieren. Leider gab’s immer wieder kleine aber happige Gegensteigungen, welche uns fast zermürbten. Nach 4 Std 40 Min kamen wir erschöpft aber glücklich am Ziel in Brixen an. Dort war die Infrastruktur weniger toll, und Thomi musste irgendwo auf einem Parkplatz hinter einer Disco parkieren. Klar war kein Strom vorhanden und der Kühlschrank versagte seinen Dienst auch. Die Pasta mit Thon war dafür sensationell und so waren wieder alle zufrieden und genossen einen ruhigen Abend.
Di.21. Juli 09
Als wir früh Morgen wie normal unseren Bike’s aufschliessen wollten, bevor wir an den Start bikten, fehlte Robi der Schlüssel zum Schloss. Nach einer erfolglosen Suche , kam unser Profi Thomi ins Spiel und zersägte das Schloss kurzerhand! Heute war die Königsetappe angesagt, und da wir uns unter die ersten fünfzig vorgearbeitet hatten, konnten wir nun im Startblock A starten! Das war schon ein tolles Gefühl, mit den Besten im gleichen Startblock! Die Etappe war sehr anspruchsvoll, nicht nur die happigen Aufstiege verlangten alles ab, sondern auch die Kilometerlangen sehr schwierigen Trails hatten es in sich. Da tischte es Steff und Robi je einmal ab, zum Glück ohne schlimmere Folgen. Im letzten Aufstieg auf Asphalt ins Grödnerjoch gaben wir nochmals Gas und überholten auch Rennvelofahrer, welche sich auf den Pass hinauf quelten! Über das Grödnerjoch, mit den traumhaften Dolomiten im Hintergrund, stürzten wir uns dann auf gnadenlosen Singletrails von bis zu 40 % Gefäll hinunter nach Wolkenstein und den Etappenort St. Christina entgegen. Wahnsinn – uns haben dabei Fahrer auf dem grobsteinigen Untergrund überholt, die wahrscheinlich aufgrund ihrer Geschwindigkeit nicht einmal im Etappenort bei einem Sturz zum Stehen gekommen wären. Wie Hirnlos manche Fahrer da gefahren sind – nicht nachvollziehbar, und wir waren froh nach 6 Std und 17 Min heil angekommen zu sein. Unser Campingplatz war gleich am Zielhang der Herrenabfahrt von Val Gardena! Also lieber biken, wie diesen Hang mit zwei Brettern hinunter zu rasen! Am Abend verschlangen wir zu zweit fast 1 Kg Fleisch!
Mi. 21. Juli 09
Gut ausgeruht folgte heute der längste an einem Stück fahrende Aufstieg in der Geschichte des Transalp’s. Die 1700 Höhenmeter waren sehr anstrengend und selektionierte das Fahrerfeld. Wer gestern zu viel Gas gab brach heute unweigerlich ein und verlor Zeit. Wir teilten unsere Kräfte gut ein, und konnten unser Tempo bis zum Gasteiger Sattel durchziehen. Wir genossen kurz die herrliche Rundsicht auf diesem Plateau von wo wir die Dolomiten ausgezeichnet sahen. Schnell ging’s wieder in anspruchsvollen kilometerlangen Waldtrails hinunter, welche nochmals volle Konzentration forderte. Mit einer Endzeit von 5 Std und 46 Min erreichten wir das Ziel in Sarnthein. Am Abend besuchten wir wieder mal die Pastaparty, da es aber in der Halle so heiss war flüchteten wir nach den obligaten Teigwaren und einem feinen Apfelstrudel wieder nach draussen, und genossen Cafe und unsere obligate Glace im Garten eines Cafes.
Do.22. Juli 09
Start in Sarnthein – Lautsprecherdurchsage: „Es suchen ein paar Fahrer noch Ersatzfahrräder“ Schnell machte die die Kunde breit: 12 Fahrräder wurden aus einem Hotelkeller geklaut und nun suchen die Fahrer nach Ersatz. Doch nun zur Etappe. Eine Traumetappe. Unbedingt nachfahren – wenn möglich. Erst mal hoch, dann über das Kreuzjoch auf schönen Almflächen wieder abwärts. Und dass war schon vom Feinsten. Immer wieder wurde die Strecke durch Singletrails in den Weinbergen geführt. Steil und super fahrbar. In der Talebene von Bozem ankommen, erreichte das Thermometer heisse 41 Grad, dafür herrliche Wege durch Apfelplantagen und wieder Weinreben lassen unsere Gedanken abschweifen auf unseren baldigen ersten Schluck Wein welchen wir in Riva geniessen werden. Unsere Kräfte verliessen uns auch heute nicht, und wir waren froh, dass wir unser Tempo nach unserem Puls eingeteilt hatten. So besassen wir immer über genügend Reserven, auch mal steile Rampen zu fahren, wo andere bereits ihr Bike schoben! Klar gab es zwischendurch mal Tiefs, oder man fragte sich wieso machen wir dies überhaupt, denn in vier bis sechs Stunden Fahrzeit flog halt mancher Gedanke durch denn Kopf. Aber dafür hatten wir in der Vorbereitung auch intensiv trainiert, und so schwenkte man dann halt mal ab von negativen Gedanken, und dachte an gute Momente , oder an alle Freunde und Bekannte welche uns täglich mit Gästebucheintragen oder SMS, Telefonaten oder sonstiges aufstellten. Heute war es besonders heiss, und unser zweites Bidon, welches Robi nach einem Griff nach hinten leider zum Verhängnis wurde, erfüllte mehr als seinen Zweck. So sah Robi auch über seinen Sturz über den Lenker hinweg, und kämpfte sich dank den Zusprüchen von Steff dem nächsten Anstieg hinauf. Der Kehr um Kaltern herum mit dem letzten knackigen Aufstieg und den überflüssigen paar Kilometern wäre aber trotzdem nicht notwendig gewesen. Glücklich aber völlig erschöpft erreichten wir Kaltern nach 5 Std und 53 Min. Nach der kurzen Erholung radelten wir dann noch locker 4 Km nach Kalternsee hinunter wo uns Thomi mit einer feinen Pasta verwöhnte. Thomi hatte überhaupt immer ein ganztägiges Programm, und glaubt uns, wir fuhren lieber mit dem Bike diese harten Etappen, als wir sein Programm hätten absolvieren müssen. Er war gleichzeitig unser Betreuer, Masseur, Fahrer, Koch und Motivator. Wir sind uns sicher, ohne Ihn wäre es uns nicht gelungen unser Ziel zu erreichen. Das verdiente Nachtessen genossen wir am See auf einer wunderschönen Terrasse. Hier bestellten wir zum ersten Mal eine Pizza, nach dem Pastateller selbstverständlich.
Fr. 24. Juli 09
Die letzte grosse Etappe war angesagt mit der einzigen Bergankunft in Andalo. Nach dem ersten grossen Aufstieg wieder in der Talsenke angekommen und strapazierende 40 Grad. Jetzt 200 Höhenmeter auf ein Hochplateau und auf diesem auf Asphalt eben dahin. Wir erwischen eine gute Gruppe und fuhren mit dieser bis zum nächsten steilen Anstieg. Das Wasser wurde langsam knapp. Der nächste Verpflegungspunkt lag nur noch ein paar Kilometer entfernt. Auch heute sahen wir wieder einen Helikoptereinsatz. Dieses Mal erwischte es Anita Steiner, eine sehr bekannte Schweizer Mountainbikerin. In diesen Augenblicken wurde es einem schon mulmig! Aber solche Momente musste man wegstecken können und so gaben wir nochmals richtig Gas. Wir surften richtiggehend durch die Trails, und die letzten zwei sehr steilen Rampen von bis zu 30 % Steigung bewältigten wir im Sattel und die restlichen Kilometer flogen wir förmlich dem Ziel entgegen und so schaute eine Schlusszeit von 5 Std 08 Min und unser bester Tagesrang 30 heraus. Das hätten wir uns nie erträumt. Unsere Glückshormone hatten Hochsaison! Daher genehmigten wir uns am Abend nochmals eine Pizza. In der Nacht wurden wir dann nochmals gestört durch einen heftigen Gewittersturm, welcher fast unser Vorzelt davon fegte. Barfuss und halb nackt sprangen wir hinaus und halfen Thomi der sich am Gestenge fest klammerte und mit dem Zelt fast davon flog. Wir retteten was zu retten war! Unsere Kleider inkl. Bikeschuhe waren aber durch und durch nass. Erschöpft schlüpften wir anschliessend wieder in unsere Schlafsäcke und genossen den verkürzten Schlaf.
Sa. 25. Juli 09
Highway to hell zum Letzten und Hühnerhaut inklusive! Heute war die Schlussetappe angesagt und wir waren besonders motiviert zu starten. Wir hatten aber auch ein wenig ein mulmiges Gefühl, da noch eine schwierige Abfahrt bevorstand, und es die ganze Nacht geregnet hatte. Wir starteten stark und erklommen den San Giovanni in einem flotten Tempo leicht über unseren Pulswerten. Bei der Abfahrt war Sicherheit angesagt und wir liefen ca. 80 % der Strecke. Andere wahrscheinlich 100 % denn es war wirklich ultraschwer sich auf dem Rad oder auf den Füssen zu halten und dementsprechend sehr gefährlich. Die letzten 30 km düsten wir mit Rückenwind mit ca. 35 – 50 km/h in Gruppen oder zu zweit Richtung Riva del Garda zu. Punkt 12 Uhr 40 fuhren wir triumphierend im Ziel ein und waren begeistert was uns da empfang. Unsere Frauen mit laminierten Plakaten und einer glänzenden schwingenden Kuhglocke welche nicht zu überhören war. Familienangehörige und Freunde gesellten sich dazu mit selbstkreierten T- Shirts und Pokalen. Es war ein sehr emotionales, beeindruckendes Erlebnis und wir liessen unseren Gefühlen freien lauf. Wir beendeten die letzte Etappe im 37. Rang, und dabei schaute mit einer Gesamtzeit von:
34 Std 48 Min und 13 Sek der sensationelle 33.Schlussrang von 147 Gestarteten und 118 Klassierten Teams in der Masterkategorie (Zusammen ein Alter über 80 Jahre!) heraus.
Wir tranken das erste grosse Bier, anschliessend das letzte Mal anstehen beim Bikewash und dann ab zum Wohnwagen und unter die Dusche. Das Nachtessen genossen wir gemeinsam mit unseren Frauen und mitgereisten Freunde und dem zweiten Biketeam aus Malters, inmitten der Altstadt von Riva del Garda. Als wir anschliessend zu unserem Wagenpark zurückkamen mussten wir entsetzt feststellen, dass ein Schloss geknackt wurde und die Bike’s des Teams von Malters und das von Steff geklaut wurden. Sofort wurde ein Polizeiposten aufgesucht und es wurden Rapporte ausgefüllt. Schade, dies hätte zum Abschluss nicht sein müssen. Klar die Räder sind versichert, aber irgendwie liegt einem sein eigenes Bike auch am Herzen, schliesslich war es ein Teil vom Transalp Erlebnis!
So. 26. Juli 09
Nach einem ausgedehnten Morgenessen nahmen wir die Rückfahrt über Südtirol in Angriff und wurden uns bei der Heimfahrt langsam bewusst was wir eigentlich in dieser Woche geleistet und erreicht haben. Es war eine sehr intensive Woche und ein unheimliches, unbeschreibliches Erlebnis welches wir sicher beide nie vergessen werden und uns immer gerne daran erinnern werden. Es war einfach eine geile Zeit, und wir schwelgen noch Lange in diesen Erinnerungen.
Nochmals allen ein herzliches Dankeschön welche uns in irgendeiner Form unterstützt oder motiviert haben. Wir sind glücklich und dankbar so gute Freunde und Bekannte zu haben.
Liebe Grüsse
Robi und Steff
Welche schon vom nächsten Transalp träumen





